Aktives Museum - Faschismus und Widerstand in Berlin e.V.

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Ausstellung „Ohne zu zögern. Varian Fry: Berlin – Marseille – New York” vom 18. November bis 30. Dezember 2007 in der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Berlin-Mitte

Varian Fry, der in diesem Herbst 100 Jahre alt geworden wäre, ist eine Straße inmitten des „neuen Berlin“, auf dem Potsdamer Platz, gewidmet. Tausende von Touristen passieren täglich die Bushaltestelle, die über diesen Amerikaner Auskunft gibt und sein Andenken bewahrt. Doch kennen sie ihn? Wer ist Varian Fry?

Als die deutsche Wehrmacht im Frühjahr 1940 in Frankreich einmarschiert, fliehen nicht nur zahllose Franzosen aus den besetzten Städten und Regionen. Mit ihnen suchen Tausende deutsche Emigranten – Künstler, Intellektuelle, Politiker, Journalisten – Wege in die unbesetzte Zone im Süden Frankreichs. Viele von ihnen mit dem Ziel, Europa nun endgültig zu verlassen.

Bald trifft auch ein 33 Jahre alter amerikanischer Journalist in Marseille ein – geschickt von einem New Yorker Hilfskomitee namens „Emergency Rescue Committee“ (ERC), das mit Unterstützung von Eleonore Roosevelt sowie Thomas und Erika Mann in den USA gegründet worden ist. Alarmiert hatte die Unterstützer der Artikel 19.2 des deutsch-französischen Waffenstillstandsabkommens, der festschrieb, „alle in Frankreich sowie in den französischen Besitzungen befindlichen Deutschen, die von der Reichsregierung namhaft gemacht werden, auf Verlangen auszuliefern“. Dies bedeutete faktisch das Ende des politischen Asyls in Frankreich. Auch in Marseille war man nun nicht mehr sicher.

Varian Fry und seinen Helfern vom „Centre Américain des Secours“ gelingt es in den folgenden Monaten, mehrere tausend Flüchtlinge über die Pyrenäen und per Schiff vor ihren nationalsozialistischen Verfolgern zu retten. Im Sommer 1941 wird Fry aus Frankreich ausgewiesen.

Das Engagement Frys fand 1967 seine Würdigung durch die Verleihung des „Croix de Chevalier“ der französischen Ehrenlegion. In den USA erhielt er 1991 die „Eisenhower Liberation Medal“. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem ehrte ihn 1996 als bislang einzigen US-Amerikaner mit einem Baum in der „Allee der Gerechten der Völker“.

Mit der Ausstellung des Aktiven Museums „Ohne zu zögern. Varian Fry: Berlin – Marseille – New York“ in der Akademie der Künste wird ein Mann inmitten der deutschen Hauptstadt geehrt, der auch Hunderten Berlinerinnen und Berlinern aus der Bedrängnis half und letztlich das Leben rettete.

Die Akademie der Künste nimmt sich damit zugleich auch ihrer eigenen Geschichte an: Leonhard Frank, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann und Franz Werfel, die alle zu den Geretteten gehören, waren bis 1933 Akademiemitglieder.

 

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